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Ratgeber

Patellaspitzensyndrom: Ursachen, Übungen, Behandlung

Das Patellaspitzensyndrom ist eine Überlastung der Sehne direkt unter der Kniescheibe. Behandelt wird es vor allem mit gezieltem Krafttraining und einer Pause vom Springen.

Jörn Schmidt, Physiotherapeut, Orthopädische Manuelle Therapie Aktualisiert am 30. September 2026 5 Minuten Lesezeit

Kurz beantwortet

Was ist ein Patellaspitzensyndrom?

Eine Überlastung der Patellasehne dort, wo sie an der Spitze der Kniescheibe ansetzt. Die Sehne verbindet die Kniescheibe mit dem Schienbein. Sie überträgt die Kraft des großen Oberschenkelmuskels, beim Springen und Landen genauso wie beim Treppensteigen oder in der Hocke. Wird sie über Wochen stärker belastet, als sie sich anpassen kann, reizt sich ihr Ansatz. Ärzte sprechen von einer Patellatendinopathie, im Sport heißt es auch Springerknie.

Typisch ist ein Schmerz, den Sie mit einem Finger zeigen können, knapp unterhalb der Kniescheibe. Am Anfang tut es oft nur beim Aufwärmen oder nach dem Sport weh. Später kommt der Schmerz auch während der Belastung, beim Treppabgehen oder nach langem Sitzen mit gebeugtem Knie.

Wer bekommt ein Patellaspitzensyndrom?

Vor allem Menschen, die viel springen, abbremsen und die Richtung wechseln. Volleyball, Basketball, Handball und Leichtathletik sind die typischen Sportarten. Oft beginnt es, wenn Training oder Wettkämpfe in kurzer Zeit zunehmen, zum Beispiel zu Saisonbeginn oder nach einer Pause. Auch viel Laufen bergab, lange Arbeit in der Hocke oder der Wechsel auf einen harten Hallenboden können eine Rolle spielen.

Dazu kommt, was der Körper mitbringt. Eine verkürzte Oberschenkelmuskulatur, zu wenig Kraft in Hüfte und Wade oder eine steife Landung erhöhen die Last auf der Sehne.

Was hilft beim Patellaspitzensyndrom?

Die Sehne muss wieder belastbar werden, und das gelingt über Kraft. Komplette Schonung hilft meist nur so lange, bis Sie wieder anfangen. Besser ist es, die Belastung so zu dosieren, dass die Sehne sie verträgt, und sie dann Schritt für Schritt zu steigern. Sprünge und Sprints lassen Sie in der ersten Zeit weg oder machen deutlich weniger davon.

Als Faustregel gilt, dass der Schmerz beim Üben und am nächsten Tag gering bleiben soll. Ist er am folgenden Morgen deutlich stärker als vorher, war es zu viel.

Manche Sportlerinnen und Sportler tragen zusätzlich ein Band unterhalb der Kniescheibe, das die Sehne etwas entlasten kann. Hält der Schmerz seit Wochen an, kommt außerdem die Stoßwellentherapie infrage. Spritzen an die Sehne gehören in ärztliche Hand.

Welche Übungen helfen beim Patellaspitzensyndrom?

Übungen, die den Oberschenkelmuskel langsam und kontrolliert kräftigen. Die vier folgenden sind ein üblicher Einstieg. Die Übungen sollen nicht wehtun, ein leichtes Ziehen ist in Ordnung. Sind die Beschwerden neu, sprechen Sie die Übungen vorher mit Ihrer Ärztin oder Ihrer Therapeutin ab.

1. Wandsitzen. Lehnen Sie sich mit dem Rücken an eine Wand und stellen Sie die Füße etwa einen halben Meter davor. Rutschen Sie an der Wand nach unten, bis die Knie etwa halb gebeugt sind. Halten Sie die Position 30 bis 45 Sekunden. Nach einer Minute Pause kommt der nächste Durchgang, insgesamt fünf. Das geht jeden Tag und auch an Tagen, an denen das Knie empfindlich ist.

2. Kniebeuge auf der Schräge. Stellen Sie sich mit den Fersen auf ein dickes Buch, die Zehen bleiben auf dem Boden. Das Gewicht liegt auf dem betroffenen Bein, das andere steht leicht daneben. Beugen Sie das Knie langsam, über drei Sekunden, bis etwa zur Hälfte. Hoch kommen Sie mit beiden Beinen. Drei Durchgänge mit je 15 Wiederholungen, jeden zweiten Tag. Mit dieser Übung beginnen Sie erst, wenn das Wandsitzen kaum noch Beschwerden macht.

3. Beinstrecken im Sitzen. Setzen Sie sich auf einen Stuhl, die Füße stehen auf dem Boden. Strecken Sie das betroffene Knie langsam ganz durch, halten Sie zwei Sekunden und senken Sie das Bein langsam wieder ab. Drei Durchgänge mit je zwölf Wiederholungen. Wird es zu leicht, hängen Sie eine gefüllte Stofftasche über den Fuß.

4. Oberschenkelvorderseite dehnen. Stellen Sie sich aufrecht hin und halten Sie sich mit einer Hand fest. Fassen Sie mit der anderen Hand den Fuß des betroffenen Beins. Ziehen Sie die Ferse in Richtung Gesäß, bis Sie vorne am Oberschenkel ein Ziehen spüren. Die Knie bleiben nebeneinander. Halten Sie 30 Sekunden und wiederholen Sie das dreimal.

Wie lange dauert ein Patellaspitzensyndrom?

Meist mehrere Monate. Wer früh anfängt, die Belastung anzupassen, kommt oft schneller zurück. Je länger die Beschwerden schon bestehen, desto mehr Zeit braucht die Sehne. Sehnen bauen sich langsamer um als Muskeln, deshalb zeigt sich eine Veränderung oft erst nach einigen Wochen Training.

Zurück in den Sport geht es in Stufen. Erst kommt das Laufen, dann kommen leichte Sprünge und zuletzt Richtungswechsel und Wettkampf. Jede Stufe sollte die Sehne am nächsten Tag gut vertragen, bevor die nächste folgt.

Wann Sie zuerst zum Arzt gehen sollten

Gehen Sie zuerst zum Arzt, wenn der Schmerz nach einem Sturz oder Anprall angefangen hat. Dasselbe gilt, wenn Sie bei einem Sprung ein Schnalzen gespürt haben. Können Sie das Knie danach nicht mehr aus eigener Kraft strecken, warten Sie nicht ab.

Ärztlich abklären lassen sollten Sie außerdem ein geschwollenes, gerötetes oder warmes Knie und Fieber. Das gilt auch, wenn das Knie blockiert oder wegknickt oder nachts und in Ruhe stark schmerzt. Bei Kindern und Jugendlichen im Wachstum kann ein Schmerz an der Kniescheibe oder knapp darunter eine andere Ursache haben. Auch das gehört zuerst in ärztliche Hand.

So behandeln wir das Patellaspitzensyndrom in Euskirchen

Zuerst untersuchen wir. Wir prüfen, welche Bewegung den Schmerz auslöst, und schauen auch auf Hüfte, Wade und Fuß.

Mit einer ärztlichen Verordnung behandeln wir Sie in der Krankengymnastik, auch an Geräten auf unserer Trainingsfläche. Das Programm stellen wir nach Ihrem Befund zusammen. Den Verlauf messen wir mit VALD DynaMo und ForceDecks, das ist Messtechnik aus dem Leistungssport. So sehen wir, wie groß der Unterschied zwischen beiden Beinen noch ist und ob die Kraft zurück ist oder es sich nur so anfühlt. Wenn das Ziel dazu passt, trainieren Sie auch in einer Kleingruppe. Wie viele Termine auf einem Rezept stehen, lesen Sie unter Wie viele Behandlungen stehen auf einem Rezept?

Hält der Schmerz seit Wochen an, kann die Stoßwellentherapie dazukommen. Sie zahlen sie selbst. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen sie in der Physiotherapiepraxis nicht. Den Preis nennen wir Ihnen vor der ersten Anwendung. Dafür brauchen Sie ein Privatrezept Ihrer Ärztin oder Ihres Arztes. Bei Kindern und Jugendlichen, deren Wachstumsfugen an der Stelle noch offen sind, behandeln wir nicht mit der Stoßwelle.

Einen Termin bekommen Sie telefonisch unter 02251 777944 oder direkt bei uns in der Praxis in der Hochstraße 38-40.

Komplette Schonung hilft meist nur so lange, bis Sie wieder anfangen.

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