Kurz beantwortet
Woher kommt der Schmerz?
Meist von einer überlasteten Kaumuskulatur, oft durch nächtliches Knirschen oder Pressen am Tag. Seltener sitzt die Ursache im Gelenk selbst.
AusführlichWelche Übungen helfen?
Die entspannte Ruhelage des Kiefers, eine geführte Mundöffnung mit der Zunge am Gaumen, Lockern der Kaumuskeln und leichte Spannung gegen die eigene Hand.
AusführlichWann zum Arzt?
Sofort, wenn sich der Mund nicht mehr öffnen oder schließen lässt, nach einem Unfall und bei Schmerzen im Kiefer zusammen mit Brustenge oder Atemnot.
AusführlichWer verordnet die Behandlung?
Ärztinnen und Ärzte, seit 2017 auch Zahnärztinnen und Zahnärzte. Für sie gilt eine eigene Heilmittel-Richtlinie.
Ausführlich
Woher kommen Schmerzen im Kiefergelenk?
Meist von einer überlasteten Kaumuskulatur. Wer nachts mit den Zähnen knirscht oder tagsüber die Zähne aufeinanderpresst, lässt diese Muskeln stundenlang arbeiten. Sie ermüden, verhärten und tun weh, und der Schmerz zieht ins Gelenk vor dem Ohr. Stress spielt dabei oft eine Rolle, ebenso eine neue Zahnversorgung, nach der der Biss nicht mehr passt.
Seltener liegt die Ursache im Gelenk selbst. Zwischen Unterkiefer und Schädel sitzt eine kleine Knorpelscheibe. Verschiebt sie sich, knackt es beim Öffnen, und manchmal lässt sich der Mund nicht mehr ganz öffnen. Auch Verschleiß und Entzündungen kommen am Kiefergelenk vor.
Wenn Kiefergelenk, Kaumuskulatur und Schädel nicht mehr gut zusammenspielen, sprechen Fachleute von einer craniomandibulären Dysfunktion, kurz CMD. Craniomandibulär heißt wörtlich Schädel und Unterkiefer.
Welche Beschwerden gehören zu einer CMD?
Typisch sind Schmerzen im Kiefergelenk oder in der Kaumuskulatur, Knacken oder Reiben beim Öffnen, eine eingeschränkte Mundöffnung und Zähneknirschen. Viele merken es morgens, wenn der Kiefer müde ist oder die Schläfen spannen.
Oft kommen Beschwerden dazu, die man nicht gleich mit dem Kiefer in Verbindung bringt, etwa Kopfschmerzen, Verspannungen in Nacken und Schultern, Ohrgeräusche oder Schwindel. Das Kiefergelenk liegt direkt am Ohr, und die Kaumuskulatur ist eng mit der Muskulatur von Hals und Nacken verbunden. So tut es oft ganz woanders weh. Umgekehrt beeinflusst die obere Halswirbelsäule, wie der Kiefer steht.
Welche CMD-Übungen können Sie selbst machen?
Die folgenden fünf Übungen sind ein üblicher Einstieg. Sie sollen nicht wehtun. Knackt es ohne Schmerz, können Sie weitermachen. Wird der Schmerz stärker, hören Sie auf. Sind die Beschwerden neu, klären Sie die Übungen bitte vorher mit Ihrer Zahnärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Therapeutin ab.
1. Ruhelage finden. Die Lippen liegen locker aufeinander, die Zähne haben ein paar Millimeter Abstand, die Zungenspitze liegt am Gaumen direkt hinter den oberen Schneidezähnen. Im Ruhezustand berühren sich die Zähne nicht. Prüfen Sie diese Lage mehrmals am Tag, zum Beispiel bei jedem Blick aufs Handy, und lösen Sie den Kiefer, wenn Sie merken, dass Sie pressen.
2. Geführt öffnen. Setzen Sie sich vor einen Spiegel, die Zungenspitze bleibt am Gaumen. Öffnen Sie den Mund langsam, so weit es geht, ohne dass die Zunge sich löst, und schließen Sie ihn wieder. Achten Sie darauf, dass der Unterkiefer gerade nach unten geht und nicht zur Seite ausweicht. Zehnmal, zwei- bis dreimal am Tag.
3. Kaumuskeln lockern. Legen Sie Zeige- und Mittelfinger beider Hände auf die Wangen, dort, wo Sie beim Zubeißen den Muskel hart werden spüren. Mit dem Mund leicht geöffnet massieren Sie mit kleinen, kreisenden Bewegungen eine Minute lang. Danach dasselbe an den Schläfen.
4. Leichte Spannung gegen die Hand. Legen Sie eine Faust unter das Kinn und öffnen Sie den Mund gegen den leichten Widerstand der Hand, ohne dass er sich bewegt. Fünf Sekunden halten, dann lösen. Fünfmal. Genauso zur Seite, mit der flachen Hand an der Wange. Der Druck bleibt gering, etwa ein Viertel Ihrer Kraft.
5. Kinn zurückschieben. Sitzen oder stehen Sie aufrecht und schieben Sie das Kinn waagerecht nach hinten, bis ein leichtes Doppelkinn entsteht. Drei Sekunden halten, zehnmal. Das entlastet den Nacken, der bei CMD oft mitspielt.
In einer schmerzhaften Phase lassen Sie Kaugummi, sehr zähe und harte Speisen besser weg. Beim Gähnen hilft es, das Kinn mit der Hand abzustützen. Wärme auf den Wangen empfinden viele als angenehm. Knirschen Sie nachts, kann Ihnen die Zahnärztin eine Aufbissschiene anpassen.
Wann Sie zuerst zum Arzt gehen sollten
Gehen Sie sofort zum Arzt oder in die Notaufnahme, wenn sich der Mund plötzlich nicht mehr öffnen oder nicht mehr schließen lässt. Dasselbe gilt, wenn die Beschwerden nach einem Sturz oder Schlag begonnen haben. Schmerzen im Kiefer, die zusammen mit Brustenge, Atemnot oder kaltem Schweiß auftreten, können von einem Herzinfarkt kommen. Dann rufen Sie den Notruf 112.
Zeitnah ärztlich oder zahnärztlich abklären lassen sollten Sie auch
- eine Schwellung an Wange oder Kiefer, vor allem mit Fieber
- Zahnschmerzen oder Schmerzen beim Aufbeißen auf einen einzelnen Zahn
- einen neuen Schläfenkopfschmerz ab etwa 50 Jahren, bei dem das Kauen nach kurzer Zeit wehtut
- Taubheit im Gesicht oder an Lippe und Kinn
- Schmerzen, die über Wochen zunehmen, obwohl Sie den Kiefer schonen
So behandeln wir CMD in Euskirchen
Die Physiotherapie bei CMD können Ärztinnen und Ärzte verordnen, Zahnärztinnen und Zahnärzte seit 2017 ebenfalls. Für sie gibt es eine eigene Heilmittel-Richtlinie. Wenn Sie nicht sicher sind, welche Position auf der Verordnung stehen muss, rufen Sie uns gern vorher an.
Beim ersten Termin untersuchen wir, wie weit sich Ihr Mund öffnen lässt und wohin der Unterkiefer dabei abweicht. Dabei tasten wir, welche Muskeln druckempfindlich sind, und prüfen die obere Halswirbelsäule. Behandelt wird mit den Techniken der Manuellen Therapie am Kiefer, an der Muskulatur und an der Halswirbelsäule. Jörn Schmidt hat die Weiterbildung in Orthopädischer Manueller Therapie (OMT) abgeschlossen. Dazu bekommen Sie Übungen für zu Hause, die zu Ihrem Befund passen.
Oft arbeiten wir Hand in Hand mit Ihrer Zahnärztin oder Ihrem Zahnarzt, zum Beispiel parallel zu einer Aufbissschiene. Ein Termin dauert in der Regel 30 Minuten. Einen Termin bekommen Sie unter 02251 777944 oder in der Praxis in der Hochstraße 38-40 in Euskirchen.
Im Ruhezustand berühren sich die Zähne nicht.




