Kurz beantwortet
Was ist ein HWS-Syndrom?
Ein Sammelbegriff für Beschwerden, die von der Halswirbelsäule ausgehen. Meist sind Muskeln und kleine Wirbelgelenke gereizt, eine ernste Ursache ist selten.
AusführlichWelche Übungen helfen?
Übungen, die den Nacken bewegen und die Muskeln um die Schulterblätter kräftigen. Oft reichen wenige Minuten, zwei- bis dreimal am Tag.
AusführlichWann sollten Sie zum Arzt?
Nach einem Unfall, bei Taubheit oder Schwäche im Arm, bei Fieber mit steifem Nacken und bei Schwindel, Seh- oder Sprechstörungen.
AusführlichWie behandeln wir es?
Mit Manueller Therapie nach ärztlicher Verordnung. Zuerst untersuchen wir, woher die Beschwerden kommen, dann behandeln wir gezielt und geben Ihnen Übungen mit.
Ausführlich
Was ist ein HWS-Syndrom?
HWS-Syndrom ist ein Sammelbegriff für Beschwerden, die von der Halswirbelsäule ausgehen. Die Ärztin schreibt ihn auf, wenn der Nacken schmerzt, sich schlecht drehen lässt oder die Schmerzen in Kopf, Schulter oder Arm ziehen. Eine bestimmte Krankheit ist damit noch nicht benannt, der Begriff beschreibt nur, wo die Beschwerden sitzen.
In den meisten Fällen sind Muskeln und die kleinen Wirbelgelenke gereizt. Eine ernste Ursache steckt nur selten dahinter. Viele Nackenschmerzen werden innerhalb von Tagen bis wenigen Wochen deutlich besser. Manche kommen aber immer wieder, vor allem wenn sich im Alltag nichts ändert.
Typisch sind ein fester, verspannter Nacken, Schmerzen beim Drehen oder Neigen des Kopfes und Kopfschmerzen, die vom Hinterkopf nach vorn ziehen. Manche spüren die Beschwerden zwischen den Schulterblättern oder bis in den Oberarm.
Woher kommen die Nackenschmerzen?
Meist aus einer Mischung von Haltung, Belastung und Anspannung. Wer viele Stunden am Bildschirm sitzt oder aufs Handy schaut, hält den Kopf oft lange nach vorn geschoben. Die Nackenmuskeln tragen dann mehr Gewicht, als ihnen guttut, und ermüden.
Dazu kommen einseitige Arbeit über Kopf, Zugluft, eine ungünstige Schlafposition oder eine ruckartige Bewegung. Auch Stress spielt oft mit. Wer angespannt ist, zieht die Schultern hoch, meist ohne es zu merken.
Mit den Jahren verändern sich außerdem Bandscheiben und Wirbelgelenke. Solche Verschleißzeichen sieht man auf vielen Röntgenbildern, auch bei Menschen ohne Beschwerden. Sie erklären den Schmerz deshalb nur zum Teil.
Welche Übungen helfen bei Nackenschmerzen?
Übungen, die den Nacken sanft bewegen und die Muskeln um die Schulterblätter kräftigen. Sie brauchen dafür keine Geräte, und die meisten gehen im Sitzen am Schreibtisch. Machen Sie die Übungen zwei- bis dreimal am Tag, ruhig und ohne Schwung.
Die Übungen dürfen ziehen, aber nicht wehtun. Nimmt der Schmerz zu oder strahlt er in den Arm aus, hören Sie auf. Sind die Beschwerden neu, sprechen Sie die Übungen vorher mit Ihrer Ärztin oder Ihrer Therapeutin ab.
1. Kinn zurückschieben. Setzen Sie sich aufrecht hin und schauen Sie geradeaus. Schieben Sie das Kinn waagerecht nach hinten, als wollten Sie ein Doppelkinn machen. Der Blick bleibt dabei gerade. Halten Sie drei Sekunden und lassen Sie wieder locker. Zehnmal wiederholen.
2. Schulterblätter nach hinten unten. Sie sitzen aufrecht, die Arme hängen locker. Ziehen Sie die Schulterblätter nach hinten und leicht nach unten, als wollten Sie sie in die hinteren Hosentaschen stecken. Fünf Sekunden halten, dann lösen. Zehnmal wiederholen.
3. Seitliche Dehnung. Sie sitzen aufrecht und halten sich mit der rechten Hand an der Sitzfläche fest. Neigen Sie den Kopf langsam zur linken Schulter, bis Sie rechts am Hals eine Dehnung spüren. 20 bis 30 Sekunden halten und ruhig atmen. Dann die Seite wechseln, je Seite zwei- bis dreimal.
4. Kopf drehen. Aufrecht sitzen, Schultern locker. Drehen Sie den Kopf langsam nach rechts, so weit es ohne Schmerz geht, und dann nach links. Das Kinn bleibt dabei auf gleicher Höhe. Zehnmal je Seite.
5. Gegen die Hand drücken. Legen Sie eine Hand an die Stirn und drücken Sie den Kopf leicht dagegen, ohne dass er sich bewegt. Fünf Sekunden halten. Danach dasselbe mit der Hand am Hinterkopf und an beiden Kopfseiten. Je Richtung fünfmal.
Was können Sie im Alltag selbst tun?
In Bewegung bleiben und die Haltung öfter wechseln. Eine gute Haltung, die Sie den ganzen Tag halten, gibt es kaum. Wichtiger ist, dass Sie die Position regelmäßig ändern, auch mal aufstehen und ein paar Schritte gehen.
Der Bildschirm sollte so stehen, dass Sie geradeaus oder leicht nach unten schauen. Wer das Handy auf Augenhöhe hebt, entlastet den Nacken. Wärme wie ein Kirschkernkissen oder eine warme Dusche tut vielen gut, weil sich die Muskulatur dabei entspannt.
Strenge Schonung hilft meist nicht. Der Nacken erholt sich meist schneller, wenn er in Bewegung bleibt. Eine Halskrause brauchen Sie bei normalen Nackenschmerzen nicht.
Wann Sie zuerst zum Arzt gehen sollten
Die meisten Nackenschmerzen sind harmlos. Bei den folgenden Zeichen gehen Sie aber zuerst zur Ärztin oder zum Arzt. Übungen und Physiotherapie kommen erst danach.
- Die Schmerzen begannen nach einem Unfall oder Sturz, etwa einem Auffahrunfall.
- Arm oder Hand sind taub, kribbeln dauerhaft oder werden schwächer.
- Sie sind unsicher beim Gehen oder die Beine fühlen sich schwach an.
- Es treten Schwindel, Doppelbilder, Seh-, Sprech- oder Schluckstörungen auf.
- Die Schmerzen werden nachts in Ruhe stärker, dazu kommen Fieber oder ungewollter Gewichtsverlust.
- Die Beschwerden werden nach zwei bis drei Wochen nicht besser.
Rufen Sie sofort den Notruf 112, wenn Fieber, starke Kopfschmerzen und ein steifer Nacken zusammenkommen. Dasselbe gilt für plötzliche, heftige Kopfschmerzen und für Schmerzen, die von der Brust in Hals, Kiefer oder Arm ziehen.
So behandeln wir das HWS-Syndrom in Euskirchen
Nackenbeschwerden behandeln wir vor allem mit Manueller Therapie. Dafür brauchen Sie eine ärztliche Heilmittelverordnung mit der Position MT. Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt die Kosten bis auf die gesetzliche Zuzahlung.
Ein Termin dauert in der Regel 30 Minuten. Zuerst untersuchen wir, welche Bewegung den Schmerz auslöst und ob er von Gelenk, Muskel oder Nerv kommt. Danach mobilisieren wir Gelenke, die sich nicht mehr frei bewegen, lösen Muskulatur und entlasten Nervenbahnen, wenn der Schmerz in den Arm ausstrahlt. Am Ende bekommen Sie Übungen mit, die zu Ihrem Befund passen.
Jörn Schmidt hat die Weiterbildung in Orthopädischer Manueller Therapie (OMT) abgeschlossen. Zu ihr gehört auch, Warnzeichen zu erkennen, bei denen eine Ärztin oder ein Arzt draufschauen muss.
Bei verspannter Nacken- und Schultermuskulatur kann Ihre Ärztin zusätzlich Massage oder Wärme verordnen. Mehr dazu lesen Sie unter Ergänzende Heilmittel.
Einen Termin bekommen Sie telefonisch unter 02251 777944 oder direkt bei uns in der Praxis in der Hochstraße 38-40 in Euskirchen.
Der Nacken erholt sich meist schneller, wenn er in Bewegung bleibt.




