Kurz beantwortet
Welche Übungen helfen?
Übungen für das Gleichgewicht und für die Wahrnehmung an Füßen und Händen, dazu Krafttraining. Bei vielen wird der Gang dadurch sicherer.
AusführlichWoher kommt das Kribbeln?
Manche Wirkstoffe der Chemotherapie schädigen die langen Nervenfasern. Die längsten enden in Zehen und Fingerspitzen, dort beginnt es meist.
AusführlichWas ist im Alltag wichtig?
Schauen Sie Ihre Füße jeden Tag an. Kleine Verletzungen spüren Sie mit einer Polyneuropathie oft nicht.
AusführlichWas brauchen Sie für die OTT?
Eine ärztliche Unbedenklichkeitsbescheinigung und eine Heilmittelverordnung über 6x KG-Gerät.
Ausführlich
Welche Übungen helfen bei Polyneuropathie nach einer Chemotherapie?
Am meisten bringen Übungen für das Gleichgewicht und für die Wahrnehmung an Füßen und Händen, dazu Krafttraining für die Beine. Bei vielen wird der Gang dadurch sicherer, und das kann Stürzen vorbeugen. Das Taubheitsgefühl verschwindet durch Übungen nicht immer. Viele kommen damit im Alltag aber besser zurecht.
Wer schlechter spürt, wo die Füße stehen, gleicht das mit den Augen und den Muskeln aus, und das lässt sich üben. Regelmäßig ein paar Minuten am Tag bringen dabei mehr als eine lange Einheit am Wochenende.
Wie entsteht eine Polyneuropathie durch Chemotherapie?
Manche Wirkstoffe der Chemotherapie schädigen die Nerven in Armen und Beinen. Das betrifft vor allem platinhaltige Mittel, Taxane und Vinca-Alkaloide. Am empfindlichsten sind die langen Nervenfasern, und die längsten enden in Zehen und Fingerspitzen. Dort beginnen die Beschwerden meist. Mit der Zeit können sie sich wie ein Strumpf oder Handschuh nach oben ausbreiten.
Typisch sind Kribbeln, Taubheit, Brennen oder das Gefühl, auf Watte zu laufen. Viele merken es zuerst an kleinen Dingen, beim Zuknöpfen einer Bluse oder wenn ihnen ein Glas aus der Hand rutscht. Bei manchen Wirkstoffen nehmen die Beschwerden nach dem Ende der Chemotherapie zunächst noch zu. Oft bessern sie sich über Monate, bei einem Teil der Patientinnen und Patienten bleiben sie.
Welche Übungen kann ich zu Hause machen?
Die folgenden fünf Übungen brauchen keine Trainingsgeräte. Sie sollen nicht wehtun. Üben Sie im Stehen immer an einer Arbeitsplatte oder einer stabilen Stuhllehne, an der Sie sich jederzeit festhalten können, und auf rutschfestem Boden. Wenn die Beschwerden neu sind oder Ihre Chemotherapie noch läuft, sprechen Sie die Übungen vorher mit Ihrer Onkologin oder Ihrem Therapeuten ab.
1. Fußsohle mit dem Igelball wecken
Setzen Sie sich auf einen Stuhl und legen Sie einen Igelball oder Tennisball unter einen Fuß. Rollen Sie ihn langsam von der Ferse bis zu den Zehen und zurück, zuerst mit wenig Druck. Eine bis zwei Minuten je Fuß reichen. Schauen Sie sich danach kurz die Fußsohle an.
2. Handtuch mit den Zehen raffen
Legen Sie im Sitzen ein Handtuch flach vor Ihre Füße. Ziehen Sie es nur mit den Zehen Stück für Stück zu sich heran, die Ferse bleibt dabei am Boden. Machen Sie das dreimal je Fuß.
3. Stehen auf schmaler Spur
Stellen Sie sich an die Arbeitsplatte und halten Sie sich mit beiden Händen fest. Setzen Sie einen Fuß direkt vor den anderen, so als stünden Sie auf einer Linie. Halten Sie die Position 20 bis 30 Sekunden und wechseln Sie dann den vorderen Fuß. Wiederholen Sie das dreimal. Wenn es sicher klappt, lassen Sie eine Hand los. Mit geschlossenen Augen üben Sie bitte nur, wenn Ihre Therapeutin dabei ist.
4. Auf die Zehen und auf die Fersen
Sie stehen hüftbreit an der Arbeitsplatte und halten sich fest. Gehen Sie langsam auf die Zehenspitzen und wieder herunter, danach heben Sie die Zehen an und stehen kurz auf den Fersen. Wiederholen Sie den Wechsel 10 bis 15 Mal. Das kräftigt die Waden und die Muskeln am Schienbein, die beim Gehen den Fuß anheben.
5. Hände in der Linsenschale
Füllen Sie eine Schüssel mit trockenen Linsen oder Reis. Graben Sie die Hände hinein, öffnen und schließen Sie sie und fischen Sie kleine Gegenstände wie Knöpfe oder Münzen heraus. Zwei bis drei Minuten reichen. Die Übung schult das Tasten in den Fingern.
Worauf sollten Sie im Alltag achten?
Schauen Sie Ihre Füße jeden Tag an, bei Bedarf mit einem Spiegel. Kleine Verletzungen, Druckstellen oder Blasen spüren Sie mit einer Polyneuropathie oft nicht. Tragen Sie Schuhe, die gut sitzen und nicht drücken, und laufen Sie zu Hause möglichst nicht barfuß.
Räumen Sie Stolperfallen wie lose Teppiche und Kabel aus dem Weg. Ein kleines Licht auf dem Weg zur Toilette hilft nachts, weil der Körper im Dunkeln die Augen zum Ausgleich nicht nutzen kann. Prüfen Sie Badewasser mit dem Ellenbogen oder einem Thermometer, denn Hitze nehmen taube Füße und Hände schlechter wahr. Nach manchen Wirkstoffen reagieren Hände und Mund stark auf Kälte. Dann helfen Handschuhe beim Griff in den Kühlschrank.
Wann Sie zuerst zum Arzt gehen sollten
Melden Sie Kribbeln oder Taubheit Ihrer Onkologin, sobald es auftritt, auch wenn es nur leicht ist. Während einer laufenden Chemotherapie kann sie die Behandlung darauf abstimmen. Direkt ärztlich abklären lassen sollten Sie diese Anzeichen.
- Schwäche oder Taubheit nehmen innerhalb von Tagen deutlich zu.
- Sie stürzen, oder Sie knicken beim Gehen immer wieder um.
- Eine Wunde am Fuß heilt nicht oder entzündet sich.
- Sie haben Probleme, Wasser zu lassen oder den Darm zu kontrollieren.
- Während der Chemotherapie bekommen Sie Fieber.
Eine plötzliche Lähmung oder Taubheit auf einer Körperseite ist ein Notfall. Rufen Sie dann sofort den Notruf 112.
So behandeln wir Polyneuropathie nach Chemotherapie in Euskirchen
Polyneuropathie ist ein häufiger Grund für eine Zuweisung zur OTT. Das steht für Onkologische Trainings- und Bewegungstherapie. Sie folgt einem lizenzierten Konzept, das am Centrum für Integrierte Onkologie der Uniklinik Köln zusammen mit der Deutschen Sporthochschule entwickelt wurde. Jörn Schmidt und Christina Frühauf sind für die Arbeit mit Krebspatientinnen und Krebspatienten ausgebildet und zertifiziert.
Am Anfang steht ein ausführliches Anamnesegespräch. Danach messen wir Ihre Kraft und Ausdauer und erstellen einen Trainingsplan mit Übungen für Kraft, Ausdauer und Koordination. Eine Einheit dauert 60 Minuten. Sie trainieren mindestens ein- bis zweimal pro Woche über drei bis neun Monate zu festen Trainingszeiten, in der Gruppe und an unseren Geräten. Zwischendurch messen wir nach und passen das Programm an, wenn nötig.
Dafür brauchen wir eine ärztliche Unbedenklichkeitsbescheinigung und eine Heilmittelverordnung über 6x KG-Gerät. Bitte bringen Sie außerdem einen aktuellen Arztbrief und eine Liste Ihrer Medikamente mit. Die OTT behandelt die Folgen der Erkrankung und ihrer Therapie. Den Krebs selbst behandelt sie nicht, und sie ersetzt keine medizinische Therapie. Was wir sonst bei Krebserkrankungen anbieten, finden Sie unter Onkologie.
Rufen Sie uns an unter 02251 777944. Am Telefon besprechen wir, wo Sie in Ihrer Behandlung stehen und wie ein Einstieg aussehen kann. Die Praxis finden Sie in der Hochstraße 38-40 in Euskirchen.
Wer schlechter spürt, wo die Füße stehen, gleicht das mit den Augen und den Muskeln aus, und das lässt sich üben.




