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Ratgeber

Ischias und Bandscheibenvorfall: Übungen für zu Hause

Bei Ischiasschmerzen und einem Bandscheibenvorfall helfen vielen sanfte Bewegung und Übungen, die den Nerv entlasten. Bettruhe hilft meist nicht. Lähmungen, Taubheit im Reithosenbereich oder Probleme mit Blase und Darm sind ein Notfall.

Jörn Schmidt, Physiotherapeut, Orthopädische Manuelle Therapie Aktualisiert am 30. September 2026 5 Minuten Lesezeit

Kurz beantwortet

Was hilft bei Ischiasschmerzen?

Vielen hilft es, in Bewegung zu bleiben, so gut es geht, und den Nerv mit sanften Übungen zu entlasten. Strenge Bettruhe ist heute nicht mehr üblich, weil sie die Beschwerden eher in die Länge zieht. Kurze Pausen im Liegen sind in Ordnung, wenn der Schmerz stark ist.

Bei vielen Menschen bessern sich Ischiasschmerzen innerhalb von einigen Wochen, auch bei einem Bandscheibenvorfall. Eine Operation brauchen die meisten nicht. In seltenen Fällen muss es aber schnell gehen. Die Warnzeichen dafür stehen weiter unten.

Wärme, etwa eine Wärmflasche auf dem unteren Rücken, tut vielen gut. Bei starken Schmerzen kann Ihre Ärztin Ihnen für die ersten Tage Schmerzmittel verschreiben. Mit ihnen fällt die Bewegung leichter.

Was ist der Unterschied zwischen Ischias und Bandscheibenvorfall?

Ischias beschreibt den Schmerz, der Bandscheibenvorfall ist eine mögliche Ursache. Der Ischiasnerv ist der längste Nerv im Körper. Er entsteht aus mehreren Nervenwurzeln im unteren Rücken und zieht über das Gesäß und die Rückseite des Beins bis in den Fuß.

Wird eine dieser Nervenwurzeln gereizt oder eingeengt, strahlt der Schmerz ins Bein aus. Oft reicht er bis unter das Knie, manchmal bis in die Zehen. Dazu können Kribbeln, Taubheit oder Schwäche kommen.

Häufigster Grund ist ein Bandscheibenvorfall. Dabei tritt Gewebe aus dem Kern der Bandscheibe durch den äußeren Faserring und drückt auf die Nervenwurzel. Auch Verengungen im Wirbelkanal oder verspannte Gesäßmuskeln können ähnliche Beschwerden machen. Umgekehrt haben viele Menschen einen Bandscheibenvorfall im MRT, ohne je Schmerzen zu spüren.

Welche Übungen helfen bei einem Bandscheibenvorfall?

Übungen, die den Rücken sanft bewegen und dem Nerv Platz verschaffen. Machen Sie sie zwei- bis dreimal am Tag, langsam und ohne Schwung. Sie dürfen ziehen, aber nicht wehtun. Sind die Beschwerden neu, sprechen Sie die Übungen vorher mit Ihrer Ärztin oder Ihrer Therapeutin ab.

Maßgeblich ist, wohin der Schmerz bei einer Übung wandert. Zieht er sich aus dem Bein zurück Richtung Rücken, ist das ein gutes Zeichen. Wandert er weiter ins Bein oder wird er stärker, hören Sie mit dieser Übung auf.

1. Entlastungslage. Legen Sie sich auf den Rücken und legen Sie die Unterschenkel auf einen Stuhl oder einen Hocker. Hüfte und Knie sind dabei etwa rechtwinklig gebeugt. So bleiben Sie einige Minuten liegen und atmen ruhig. Die Lage nimmt Druck von der Lendenwirbelsäule und eignet sich auch als Pause zwischendurch.

2. Becken kippen. Sie liegen auf dem Rücken, die Beine sind angewinkelt, die Füße stehen auf. Drücken Sie den unteren Rücken sanft in die Unterlage und lassen Sie wieder locker. Die Bewegung ist klein. Zehn- bis fünfzehnmal wiederholen.

3. Nervengleiten im Sitzen. Setzen Sie sich aufrecht auf die vordere Hälfte eines Stuhls. Strecken Sie das Knie der schmerzhaften Seite langsam und heben Sie dabei den Kopf leicht an. Dann beugen Sie das Knie wieder und senken gleichzeitig den Kopf. Der Nerv gleitet dabei hin und her, ohne gedehnt zu werden. Zehnmal ruhig wiederholen.

4. Aufrichten in Bauchlage. Legen Sie sich auf den Bauch und stützen Sie sich auf die Unterarme, die Ellbogen unter den Schultern. Das Becken bleibt auf der Unterlage. Halten Sie die Position anfangs 30 Sekunden, später bis zu zwei Minuten. Diese Übung passt nur, wenn der Schmerz im Bein dabei gleich bleibt oder sich zurückzieht.

Gehen ist für viele die beste Bewegung. Mehrere kurze Spaziergänge am Tag sind oft angenehmer als ein langer.

Was sollten Sie in den ersten Tagen vermeiden?

Schweres Heben, tiefes Bücken und langes Sitzen am Stück. Diese Haltungen erhöhen den Druck auf die Bandscheiben. Heben Sie Lasten aus den Beinen heraus, nah am Körper und ohne sich dabei zu drehen.

Beim Sitzen hilft es, öfter aufzustehen und ein paar Schritte zu gehen. Dehnübungen, bei denen Sie im Sitzen oder Stehen mit gestreckten Beinen zu den Zehen greifen, lassen Sie vorerst weg. Sie spannen den gereizten Nerv zusätzlich an.

Wann Sie sofort in die Notaufnahme oder zum Arzt müssen

Gehen Sie sofort in die Notaufnahme, auch nachts und am Wochenende, wenn eines dieser Zeichen auftritt:

  • Ein Bein wird gelähmt oder deutlich schwächer. Zum Beispiel hängt der Fuß beim Gehen, oder Sie können nicht mehr auf den Fersen oder den Zehenspitzen stehen.
  • Sie werden taub im Reithosenbereich, also im Genital- und Gesäßbereich und an den Innenseiten der Oberschenkel.
  • Sie können Blase oder Darm nicht mehr kontrollieren. Dazu gehört auch, wenn Sie plötzlich nicht mehr Wasser lassen können.

Diese Zeichen können bedeuten, dass Nerven stark eingeklemmt sind und schnell behandelt werden müssen. Rufen Sie im Zweifel den Notruf 112.

Zeitnah zur Ärztin oder zum Arzt gehen Sie außerdem, wenn die Schmerzen nach einem Unfall begannen oder in beide Beine ausstrahlen. Dasselbe gilt bei Fieber, bei einer bekannten Krebserkrankung und wenn Taubheit oder Schwäche zunehmen. Auch Beschwerden, die nach zwei bis drei Wochen nicht besser werden, gehören ärztlich abgeklärt.

So behandeln wir Ischias und Bandscheibenvorfall in Euskirchen

Ischiasschmerzen und Bandscheibenvorfälle behandeln wir mit Manueller Therapie und Krankengymnastik. Dafür brauchen Sie eine ärztliche Heilmittelverordnung. Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt die Kosten bis auf die gesetzliche Zuzahlung.

Ein Termin dauert in der Regel 30 Minuten. Zuerst untersuchen wir, welche Bewegung den Schmerz auslöst und was ihn verändert. Danach mobilisieren wir die Gelenke, lösen die Muskulatur und entlasten die Nervenbahnen, wenn der Schmerz ins Bein ausstrahlt. Am Ende bekommen Sie Übungen mit, die zu Ihrem Befund passen.

Jörn Schmidt hat die Weiterbildung in Orthopädischer Manueller Therapie (OMT) abgeschlossen. Zu ihr gehört auch, Warnzeichen zu erkennen, bei denen eine Ärztin oder ein Arzt draufschauen muss.

Sobald der Schmerz nachlässt, geht es um Kraft in Rumpf und Bein. Dafür gibt es die Krankengymnastik am Gerät, im Einzeltermin oder in einer Kleingruppe. Mit VALD DynaMo und ForceDecks messen wir dabei, wie groß der Unterschied zwischen beiden Beinen noch ist.

Einen Termin bekommen Sie telefonisch unter 02251 777944 oder direkt bei uns in der Praxis in der Hochstraße 38-40 in Euskirchen.

Maßgeblich ist, wohin der Schmerz bei einer Übung wandert.

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